IG Metall stellt Zeitarbeitsfirmen an den Pranger
VON EVA ROTH UND JOHANNES BENTRUP
Beim Einsatz von Leiharbeitern gibt es gravierende Missstände, klagt die IG Metall. Viele Aushilfen würden diskriminiert und erhielten nicht einmal den ohnehin niedrigen Tariflohn.

Gleichzeitig heuerten selbst renommierte Konzerne im großen Stil so genannte Leasingkräfte an: "Reguläre Beschäftigte werden durch Zeitarbeiter ersetzt", kritisiert Detlef Wetzel, IG-Metall-Chef in Nordrhein-Westfalen. Inzwischen würde nach einer Hochrechnung jeder zehnte Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie in NRW ausgeliehen.

Die Gewerkschaft hat vor drei Monaten die Kampagne "Gleiche Arbeit - Gleiches Geld" gestartet und sich genauer angeschaut, wo und wie die Leute beschäftigt sind. Jetzt nannte Wetzel erste Ergebnisse: Demnach arbeiten bei Nokia in Bochum zeitweise mehr Leiharbeiter als Festangestellte in der Produktion. In Spitzenzeiten kämen auf 650 Stammkräfte 800 geliehene Leute. Eine Nokia-Sprecherin äußerte sich dazu nicht.

Auch bei anderen Firmen wie Wincor Nixdorf in Paderborn liegt der Leiharbeiteranteil laut IG Metall mit rund 40 Prozent sehr hoch. Manager würden Leasingkräfte holen, weil sie "billiger sind, leichter rauszuschmeißen und besser unter Druck zu setzen", vermutet Wetzel.
"Perfides" Lohnsystem
Zeitarbeitsfirmen wirft die Gewerkschaft vor, Gesetze zu umgehen oder gar zu brechen. Besonders perfide sei eine Methode, die beispielsweise Allbecon praktiziere: Die Firma leihe Beschäftigte an Nokia aus, dort müssten sie Vollzeit arbeiten, obwohl sie nur einen Teilzeitvertrag hätten. Die zuviel geleistete Arbeit werde auf ein Konto gebucht. Die Arbeitzeit werde abgebummelt, wenn der Einsatz zu Ende und kein neuer in Sicht sei. Damit umgehe Allbecon die gesetzliche Verpflichtung, seinen Beschäftigten auch dann Geld zu zahlen, wenn die Arbeitskraft nicht angefordert wird, kritisiert die IG Metall. Manche Leihkräfte kämen auf diese Weise nur auf 440 bis 810 Euro im Monat.

In verleihfreien Zeiten werde zudem in Zeitarbeitsfirmen "gesetzeswidrig Zwangsurlaub verfügt", so die IG Metall. Die Leute würden vor die Alternative Urlaub oder Entlassung gestellt. Obendrein gebe es Verstöße gegen den Tarifvertrag. Leihkräfte erhielten etwa keine Zulage von elf Cent pro Stunde, obwohl sie nach einem Jahr Anspruch darauf hätten. Dies belegten Abrechnungen.

Allbecon weist die Vorwürfe zurück: Der Zuschlag nach zwölf Monaten werde ausbezahlt, sagte Geschäftsführer Joachim Stoll der Frankfurter Rundschau. Auch würden die Beschäftigten keinesfalls dazu gedrängt, in Ebbezeiten, wenn sie nicht gebucht seien, Urlaub zu nehmen.

Stoll zufolge arbeiten 250 Allbecon-Leiharbeiter bei Nokia in Bochum. Alle hätten nur Teilzeitverträge von monatlich 60 oder 110 Arbeitsstunden, wie dies vom Handy-Hersteller gewollt sei. "Wenn die Teilzeitkräfte zusätzliche Stunden arbeiten, dann würden diese rein theoretisch auf ein Arbeitskonto verbucht", präzisierte er. Mehrarbeit komme aber nur in weniger als fünf Prozent der Fälle vor. Die Extrazeit mache täglich maximal eine halbe Stunde aus. Die könnten sich die Beschäftigen ausbezahlen lassen oder für freie Tage verbrauchen.

Als "extreme Diskriminierung" bezeichnet es die IG Metall, dass Leiharbeitern Bankkredite verweigert würden. Tatsächlich erhalten Zeitarbeiter etwa bei Comdirect keinen Ratenkredit.